Gemeinde Peterwitz - Peterwitz (Krs. Jauer) - Schlesien

Peterwitz / Krs. Jauer
- Niederschlesien -
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

P e t e r w i t z (Krs.Jauer-Schlesien)
von Arthur Habelt


Kantor Arthur Habelt
geb.1891, gest.08.12.1966 in Ittenbach/Siebengebirge,
das Bild entstand am 12.08.1965 anlässlich seiner Goldenen Hochzeit
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~


PETERWITZ hatte verkehrstechnisch, landschaftlich und auch landwirtschaftlich eine günstige Lage. Nur 5 km von der Kreisstadt JAUER entfernt, erreichte man von Alt - Jauer kommend über die Brücke, die Wütende Neiße überquerend, den Anfang des Dorfes mit dem vielbesuchten Wiesenkretscham und derHoppemühle.

5 km zog sich die Dorfstrasse am Höllenbach entlang, nur mässig ansteigend, bis sie in dem sich unmittelbar anschliessenden KOLBNITZ steil zu den Höhen der Vorberge (Bober - Katzbach - Gebirge) hinaufführte. Durch das Dorf fuhren die Postautobusse der Strecken Jauer – Goldberg und Jauer – Schönau, dazu eine zeitlang die Busse der Schnellverkehrslinie Liegnitz - Schönau - Hirschberg.

Ein beliebtes Ausflugsziel war der 276 m hohe Peterwitzer Weinberg. Wallanlagen auf Hessberg , Burg- und Weinberg zeigten, dass die Gegend schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt war. Als Überbleibsel aus der Eiszeit wuchs auf dem Weinberg der nordische Streifenfarn. Im Juni leuchtete das Sonnenwendfeuer des Weinberges weit hinaus in die Ebene und grüsste die vielen Feuer auf anderen Höhen. Etwa 60 haben wir an einem Abend gezählt.

PETERWITZ war ein echtes Straßendorf mit allen Merkmalen der deutschen Siedlungsdörfer des 12.Jahrhunderts. Hinter jedem Bauernhof lagen die Felder wie Tischtücher, also verhältnismäßig breit und nicht bloß handtuchförmig wie andernorts. Viele Bauern besaßen noch Wiesen im Gelände der Bremberger Talsperre Das Rittergut mit Schloß, einem imposanten Renaissancebau, mit Schäferei und dem Niederhof der Besitzerin Frau Zachau, hatte eine Größe von 337,5 ha (davon 282 ha Ackerland). Getreideernten bis zu 23 Zentner je Morgen beweisen, wie ertragsfähig der Boden unserer Heimat war und wie intensiv er bewirtschaftet wurde. Wenn im letzten Jahre vor der Vertreibung von unserem Dominium neben vielen anderen Früchten allein 42 000 Zentner Rüben (das entsprach 7 000 Zentner Zucker) geliefert und 3 000 Zentner Weizen verkauft wurden, so erkennt man daraus, was die schlesische Landwirtschaft für die Ernährung des deutschen Volkes bedeutet hat. Recht erheblich war auch die Zucht von Zuckerrübensamen.

Vom Gutshofe führte eine prächtige Lindenallee, die unter Denkmalschutz stand (von den Polen leider beseitigt), zur Jauerstraße. Die Namen Bräuerteich undBräuerweg bezeugten, dass früher eine Brauerei zum Gute gehörte.
Zur Zuckerfabrik Alt-Jauer gehörten verschiedene Rustikalbesitzungen mit einer Gesamtgröße von 140 ha. Außer den Bauernhöfen Elsner (78,75 ha) und Weidmann (56,6 ha) besaß Peterwitz noch 8 stattliche Höfe mit 26,5-42,5 ha Land. Der alte schöne Bauernhof Weißhampel mit seinen Strohdächern und den gemütlichen Balkenwänden und Holzdecken fiel dem letzten Krieg zum Opfer.

Die Russenschmiede diente 1813 vor der Katzbachschlacht den Russen als Wachlokal.

Zwischen den Bauernhöfen und in den Gärten am Höllenbach lagen die Häuser der Handwerker, Kaufleute und Arbeiter. Landwirtschaft, die Zuckerfabrik Alt-Jauer, Steinbrüche und Fabriken gaben den 1 284 Einwohnern Arbeit und Verdienst.

Das Dorf beherbergte 3 Schulen: 1 evangelische im Niederdorf, 1 katholische Schule und 1 evangelische im Oberdorf. Die “Nieder” - Schule war ein alter Bau und ging in einzelnen Teilen bis auf das Jahr 1742 zurück. Das ebenfalls im Jahre 1742 errichtete evangelische Bethaus war ein der Hirschberger Gnadenkirche ähnlicher Kuppelbau. Von den vielen Bethäusern, die der Große König (Friedrich der Große) erstellen ließ, war es zweifellos eines der schönsten. Die Kanzel und die Orgel befanden sich über dem Altar mit dem vergoldeten Holzschnitzwerk vom “Heiligen Abendmahl” und den beiden Holzstatuen von Moses und Petrus. Nicht weit vom Pfarrhaus stand das Missionarsheim, eine Stiftung der beiden Missionspfarrer Oelke und Lehmann.

Geschmackvoll angelegt und liebevoll gepflegt war der Denkmalsplatz (Kriegerdenkmal). Ein Wahrzeichen von Peterwitz war ferner die Ruine der katholischen Kirche, die 1813 an Himmelfahrt mit den Gebäuden des Pfarrhofes, des Gerichtskretschams und noch eines dritten Gehöftes durch unvorsichtigen Umgang der Russen mit Feuer ebenso wie mehrere Bauerngüter des Oberdorfes abbrannten.

Urnen, die bei der Anlage des neuen Friedhofes, bei Drainagearbeiten und bei der Feldbestellung gefunden wurden, sollen aus der Bronzezeit um 1200 v. Chr. stammen und zu illyrischen Urnengräberfeldern gehören.

Aus einer kleinen Schmiede hatte sich die Landmaschinenfabrik der Gebrüder Grätz entwickelt.

Die Spar-und Darlehnskasse besaß eine eigene Fuhrwerkswaage und eine moderne Getreidereinigungsanlage.

Nachdem Peterwitz seit Ende 1944 eine große Anzahl Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten und von der rechten Oderseite Schlesiens aufgenommen hatte, mußten seine Einwohner am 12.02.45 selbst vor den anrückenden Russen weichen.

Die endgültige Vertreibung aus der Heimat durch die Polen erfolgte im Sommer und Herbst 1946.



" Derrheeme is halt om schiensten "
© by www.peterwitz.de 2000 - 2018
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü